Nach nur vier Stunden Schlaf warteten die ersten tränenreichen Abschiede von Nobbi und Mel auf mich, die nicht mit zum Flughafen kommen konnten. In Tegel angekommen dann die kurze Verabschiedung von Papa und dann ging es schnell zum Schalter wo gleich die erste negative Nachricht kam. Am Frankfurter Flughafen war Stau, sodass alle Maschinen von Berlin nach Frankfurt Verspätet starten. Ich wurde auf einen früheren Flug umgebucht, damit ich meinen Anschlussflug nicht verpasse. Somit blieb nicht mehr viel Zeit für den Abschied von Mama.
Als ich dann ganz alleine durch das Gate und die Sicherheitskontrolle hindurch bin, hab ich es endlich realisiert. Ich fliege ans andere Ende der Welt und lasse Berlin hinter mir! Doch nach ein paar Tränen hab ich mich wieder gefangen und dann ging‘s auch schon an Bord. Der frühere Flug landete dann „pünktlich“ zur Ankunftszeit meines eigentlichen Fluges in Frankfurt, sodass ich genügend Zeit hatte den Anschlussflug zu bekommen. Um mein Gepäck musste ich mich gottseidank nicht kümmern, das war schon alles stressig genug. Ich musste von Terminal A zu Terminal C. Um dahin zu kommen musste ich mit einer Flughafenbahn fahren und ewig weit laufen. Es wurde dann doch etwas knapp mit der Zeit, weil ich mir noch Hustenbonbons und in einer Apotheke Halspastillen kaufen musste (meine Stimme war immer noch nicht wieder da)und dann bei der nächsten Sicherheitskontrolle mein Laptop aus dem Verkehr gezogen wurde und gesondert untersucht wurde (Routine wie mir versichert wurde). Als ich dann völlig abgehetzt an Gate C15 ankam war ich eine der letzten, sodass alle Fensterplätze schon belegt waren. Also saß ich am Gang, direkt vor der Bordküche. Es war ziemlich unruhig und laut und vor allem viel enger als ich immer dachte. Auf dem Flug nach Frankfurt waren die Sitze definitiv breiter und bequemer und mehr Beinfreiheit hatte ich auch. Auch von dem Essen das hier serviert wurde war ich eher enttäuscht. Es gab Hühnchen (das war okay) mit Spätzle, Pilzsoße, Möhren und Broccoli, was jedoch alles die gleiche Konsistenz hatte, breiig. Kein Vergleich zu den Leckereien von LPS. Abends gab‘s dann Spätzle mit Rindergeschnetzeltem und zum Nachtisch Milchreis.
Ansonsten war der Flug relativ langweilig. Ich hab die Einreiseformulare ausgefüllt, stündlich meine Medizin genommen, Auslandsstudium-Ratgeber gelesen und dann hab ich versucht ein wenig zu schlafen. Als ich nach einer halben Stunde wieder aufgewacht bin hab ich meine Abschiedsgeschenke betrachtet und bin erst mal richtig in Tränen ausgebrochen. Die haben mich bestimmt alle für verrückt gehalten in diesem Flugzeug…
Jedenfalls bin ich dann pünktlich in San Francisco gelandet und musste dann ca. eine Dreiviertelstunde auf meine offizielle Einreise warten. Obwohl ich nur krächzend die Fragen des Officers beantworten konnte hatte der keine Bedenken und dann ging alles ganz schnell. Meine Koffer hab ich dank Größe und leuchtender Farbe sofort auf dem Laufband gefunden, der Zoll hat mich einfach durchgelassen, nachdem ich versichert hab dass ich keine Lebensmittel bei mir hab und dann hab ich die Koffer auch schon wieder aufgegeben für den letzten Teil meiner Reise.
Nun war ich also endlich in Amerika, aber viel gesehen hab ich erst mal nicht. Ich musste zunächst meinen Anschlussflug suchen und vor allem die Bordkarte abholen. Und das war schwieriger als gedacht. Denn in San Francisco gibt es nicht wie in Deutschland nette Stewardessen, die hinter den Schaltern sitzen und Passagiere für einzelne Flüge einchecken. Es gibt für jede einzelne Fluggesellschaft lediglich Automaten, an denen man sich mit einer Beliebigen Magnetstreifenkarte (EC, VISA, Mastercard, o.ä.) registrieren muss, um dann auf das System Zugriff zu haben und sich seine Bordkarte selbst auszudrucken. Die erste Schwierigkeit bestand darin, den richtigen Schalter zu finden. Ich hatte nur die Lufthansa Flugnummer, nicht aber die von der Amerikanischen Fluglinie. Gottseidank hat der Flughafenmanager mich dann gefunden, als ich durch die Gegend geirrt bin und hat mir geholfen. So konnte ich an allen Schlangen vorbei und er hat mir an einem eigens für mich geöffneten Schalter meine Bordkarte gedruckt.
Dann hatte ich noch Zeit um mich frisch zu machen und etwas zu essen (Nudelsalat) und dann ging es auch schon los zum Sicherheitscheck. Das war irgendwie eigenartig. Man musste sogar seine Schuhe ausziehen und auf das Laufband packen. Ich hab einfach nachgemacht, was sie anderen vormachten;-)
Der Flug nach Santa Barbara war dann sehr interessant. Das Flugzeug war eine ganz kleine Propellermaschine für etwa 30 Passagiere und mit nur einer Stewardess. Das Flugzeug war total laut, aber dafür hatte ich einen super Fensterplatz und konnte alles von oben betrachten. So hatte ich z.B. eine wunderbare Aussicht auf die Golden Gate Bridge und dann später auf die Küste.
In Santa Barbara angekommen war ich von dem Flughafen sehr überrascht. Das Hauptgebäude sieht eher wie eine Mischung aus Ferienanlage und Dorf-Bahnhof aus. Die Gepäckausgabe ist komplett manuell. Und dann schon der erste Schock. Meine schöne, signalgelbe Reisetasche war nicht mit im Flugzeug. Ich hab das sofort gemeldet und mir wurde versichert, dass die Tasche am Abend mit der nächsten Maschine noch ankommen und mir dann geliefert werden würde.
Ich hab mir also ein Taxi genommen und bin ohne Reisetasche nach Isla Vista gefahren. Auf der 5 minütigen Fahrt hab ich dann gleich ein paar sehr schöne Uni-Gebäude gesehen und ganz viele Palmen. Und dann war ich auch schon in meinem neuen Zuhause…

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