Montag, 12. Oktober 2009

keine freie Minute...

Das Leben hier ist echt stressig. Die einzigen ruhigen Minuten hab ich beim joggen am Strand, was ich versuchen werde jeden Tag irgendwie in meinen vollen Terminkalender zu quetschen. Ich habe mittlerweile eine sehr schöne Laufstrecke direkt an den Klippen gefunden. Die führt in eine Art Naturschutzgebiet, wo seltene Vögel ihre Brutstätten und Rückzugsorte haben. Überhaupt kann man hier sehr viele verschiedene Tiere beobachten. Kolibris, Pelikane und riesige Möwen teilen sich die Küsten, Eichörnchen (die sind hier nicht rot sondern braun), Gekkos und Waschbären bzw. Stinktiere wandern hier jeden abend durch die Straßen. Und natürlich gibt es jede Menge Hunde. Manchmal kommt es mir so vor als hätte jede zweite Studentin hier so eine kleine Schoßratte, die überall mit hingenommen werden muss...

Nunja, zurück zu meinem Leben hier: Also diese Woche war wirklich das stressigste was ich je erlebt habe: Uni, lesen, lernen, das erste Midterm, Tennis, Fußball, Freunde treffen, feiern, einkaufen, Halloween Shopping, usw. Es war eine Woche mit viel Abwechslung, jeder Menge Spaß aber auch Enttäuschungen.

Zuerst die schlechten Nachrichten: Ich habe festgestellt, dass das studieren mir hier auf keinen Fall leichter fällt als in Berlin. Es ist genau das gleiche Gefühl der Überforderung, wenn ich meine Bücher aufschlage und anfange zu lesen. Es ist einfach so viel zu tun, dass ich in einem Kurs einfach mal schon so weit hinterher bin, dass ich bezweifle noch irgendwie wieder aufzuholen. Die Hälfte aller Hausaufgaben in diesem Kurs wurde in die ersten zwei Uniwochen gepackt, sodass meine einzige Hoffnung ist, dass ich in den nächsten Wochen dort keinen zusätzlichen Assignments zu bekommen um aufholen zu können. Sind aber keine schönen Aussichten: 4 Outlines und ein kurzer Essay (5 Seiten) Dazu natürlich jede Menge lesen... Aber das wird schon irgendwie...

Die andere schlechte Nachricht ist, dass Chrissy nicht wie geplant im Oktober vorbeikommt um mich zu besuchen. Ich hatte mich schon so drauf gefreut ihr Isla Vista und Santa Barbara zeigen zu können und dann gemeinsam mit ihr L.A. zu erkunden. Aber leider ist ihr dann doch was dazwischengekommen... Schade, ich hatte schon alles geplant...

Dann hatte ich noch viel Stress mit Fulbright-Richtlinien. Ich muss aus unerklärlichen Gründen unbedingt einen Academic Advisor haben, den man hier als non-degree undergraduate nicht bekommt, weil man nur wenn man auf einen Abschluss hinarbeitet auf deren Hilfe zählen kann. Ich musste also von Department zu Department ziehen und musste mir überall anhören, dass ich nicht im System bin, dass sie nicht für mich zuständig sind, etc. Letztendlich, nach vielen Appointments und unheimlich viel Stress hab ich dann endlich jemanden gefunden, der sich bereiterklärt hat mein advisor zu sein, zumindest auf dem Papier... so viel Aufwand für eine unnötige Formalität...

Nun zu den guten Nachrichten der letzten Woche: Ich habe angefangen Tennis zu spielen und nach anfänglichen Schwierigkeiten werde ich langsam besser. Ich habe diese Woche jeden Tag trainiert, mit Botho meinem Mixed-Double-Partner. Wir haben uns für eine Uniinterne Liga angemeldet und heute war unser erstes richtiges Spiel! Wir haben zwar 1:8 verloren, aber unsere Gegner spielen auch schon ihr ganzes Leben lang Tennis und nicht erst eine Woche wie ich. Die waren ganz schön beeindruckt, als sie erfahren haben, dass ich das alles in einer Woche gelernt habe und das ohne Unterrichtsstunden. Dabei hab ich echt ziemlich schlecht gespielt... aber es hat Spaß gemacht, und wir haben wenigstens ein Spiel gewonnen :-) Ich habe mittlerweile sogar meinen eigenen Tennisschläger!

Und ich hab mir noch mehr Sportsachen gekauft: eine schöne Sporthose zum joggen (gelbe Innenhose/lila von Außen von Nike), neue Stutzen und einen Wetsuit zum Surfen. Ich habe es zwar immer noch nicht geschafft selbst mal mit nem Board ins Wasser zu gehen, aber die Surfing Saison geht ja auch gerade erst los. Jetzt wo der Herbst kommt, werden die Wellen etwas größer und dann macht das ganze auch mehr Sinn. Denn der Herbst kommt hier definitiv! Ich dachte immer, dass es hier nicht wirklich kalt wird, aber das war definitiv eine Fehleinschätzung: Ich bereue wirklich, dass ich nicht mehr lange Hosen und Pullover mitgenommen hab, denn momentan muss ich echt alle paar Tage waschen um genug zum anziehen zu haben... Aber ich werde mich einfach mit UCSB-Pullis ausstatten und dann muss ich nicht mehr frieren :-) Für die nächsten Tage ist sogar Regen angesagt und die Sonne hab ich hier schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen...

Ich hab mir hier auch endlcih ein Spiel der Fußball-Frauenmannschaft angeguckt, und die sind wirklich gut. Ich glaube das Niveau kann man etwa mit der 2.BL in Deutschland vergleichen... Trotzdem hab ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben vielleicht doch noch in diesem Team spielen zu können. Als ich neulich mit anderen internationalen im Park ein bisschen gekickt hab haben sich uns zwei Mädels aus diesem Team angeschlossen. Und die meinten sie könnten noch Abwehrspieler in ihrem Team brauchen. Also hab ich beschlossen mal bei dem Coach vorbeizugehen und um ein Probetraining zu bitten, sobald die Wunde an meinem Fuß verheilt ist... denn das sieht immer noch ziemlich übel aus, obwohl der Skateboardunfall mittlerweile schon fast 2 1/2 Wochen her ist...


Jede freie Minute diese Woche hab ich mit lesen verbracht, und ich hoffe, dass ich im Laufe dieses Jahres noch disziplinierter werde was das studieren angeht. Trotz meiner nicht vorbildlichen Einstellung zur Uni, kann ich schon den ersten Erfolg verbuchen. In meinem ersten Midterm in Sportsoziologie hab ich gleich mal ein A geschrieben und gehöre damit zu den besten 10% der gesamten Klasse. Genauer gesagt bin ich auf Platz 18 von 257! Ich denke da kann ich schon stolz drauf sein, wenn man bedenkt, dass ich die einzige war, deren Muttersprache nicht Englisch ist, und die Multiple-Choice Fragen echt kompliziert gestellt waren.

Dieser Erfolg wurde dann am Wochenende gebührend gefeiert. Am Freitag waren wir erst bei mir vorglühen und sind dann zu zwei Geburtstagspartys gegangen.


Samstag war dann der stressigste Tag hier. Morgens bin ich mit meinen Roomies, Audrey und Elyssa zum Halloween Shopping gefahren: Wir waren in mindestens 5 verschiedenen Kostümläden, deren Größe man nicht mit irgendeinem Laden in Deutschland vergleichen kann. Wir hatten uns vorher schon jeder ein Kostüm ausgedacht: An einem Abend gehen wir alle als Disney Prinzessinnen. Ich werde Jasmin sein. Ich hab mir eine Orient-Pluderhose gekauft und ein goldenes, Paillettenbesetztes Jäckchen. Jetzt brauch ich nur noch ein passendes Oberteil und dann noch 3 weitere Kostüme... Halloween ist ein ganz schön teures Vergnügen hier in IV!

Kaum waren wir zurück hab ich mich mit Botho zum Tennis getroffen und direkt danach war nur zeit für eine schnelle Dusche und dann gings weiter nach Downtown zur Premiere von Jack Johnson's Film "En Concert". Das ist ein Dokumentarfilm über seine letzte Tour durch Europa. Jack Johnson ist hier ziemlich populär, weil er auch an der UCSB studiert hat und hier in IV seine ersten Songs geschrieben hat. Viele Songs des ersten Albums handeln von verschiedenen Orten und Erlebnissen hier an der UCSB. Seine Musik gehört einfach hierher und beschreibt das Feeling hier sehr gut! Daher war die Weltpremiere des Films auch in Santa Barbara und das beste war, dass Jack Johnson sogar selbst da war und nach dem Film noch ein Konzert gegeben hat. Nur er und seine Gitarre, und er ist wirklich gut! Er hat zwar immer wieder den Text seiner Songs vergessen, hat dafür aber Songwünsche aus dem Publikum erfüllt und Sogar ganz neue Versionen von alten Songs gespielt. Außerdem hat er ein paar nette Anekdoten aus seinem Leben in Santa Barbara erzählt!


Sorry für die schlechte Bildqualität... es war sehr dunkel, wir saßen sehr weit weg und vom Tennis war mein Arm etwas zittrig ;-)

Als wir dann zurück in IV waren ging es auch gleich weiter zu Botho, ein wenig vorglühen, dann zu einer riesigen Party in der Pasado Road, wo verschiedene Bands aufgetreten sind und danach richtig gute Musik zum tanzen war und dann letztendlich sind wir wieder zu den EAP Studenten in 6767 DP gegeangen um den Abend ausklingen zu lassen. Als ich um 2uhr morgens nach Hause gekommen bin, waren Michelle, Celeste, Bobby und Jeff gerade mit einer riesen Portion Freebirds Nachos nach Hause gekommen und wir haben noch eine weile beisammen gesessen und über Chips philosophiert ;-) Eines der lustigsten Gespräche, dass ich je erlebt habe!

Sonnatg waren wir dann Lebensmittel shoppen, denn Supermärkte haben hier immer offen, und abends war ich dann noch im Fitnessstudio, bis das um 11 geschlossen hat!

So, das war eine weitere Woche an der UCSB... und ich muss sagen, bisher hält sich mein Heimweh in Grenzen, obwohl ich euch natürlich alle vermisse!!! Ihr dürft mir auch gerne mal ne Nachricht schicken und mich auf dem Laufenden halten was ihr so macht! Ich antworte ganz bestimmt! Und an alle, denen ich eine Postkarte versprochen habe: Ich habs nicht vergessen, aber ich hab hier noch keine vernünftigen Postkarten gefunden... Sobald ich schöne finde, oder Zeit hab meine eigenen Fotos als Postkarten auszudrucken, werde ich mir die Finger wundschreiben ;-)

1 Kommentar:

  1. hey love,
    eigentlich schade, dass dich der stressige alltag eingeholt hat, es war immer schön, von deinen vielen freizeitaktivitäten zu lesen :) aber das mit dem workload schaffst du schon. ich schaff es auch, sogar mit recht guten resultaten.
    nochmal sorry wegen nächster woche, aber ich will gern mehr von dir haben als 48 stunden und dann lohnen sich auch die 500$ flugkosten!
    ich wünsche dir, bzw. deinem fuß eine schnelle, gute besserung, damit du bald mit den Gauchos kicken kannst.
    fühl dich fest gedrückt und lass uns bald wieder skypen.
    <3

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